Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Vergesst die Gastfreundschaft nicht!


Dorothea Goudefroy
Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Menden
Liebe Leserinnen und Leser!
In der vergangenen Woche war ich eingeladen. Das hat mich gefreut! Die Gastgeber haben sich sehr um mich und die anderen Gäste bemüht und es gab gutes Essen in unglaublichen Mengen. Als Vertreter*innen der christlichen Kirchen und der Städte Menden und Fröndenberg waren wir zu Gast in der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Menden, die zum DITIB-Verband gehört. Anlass war der Fastenmonat Ramadan, der am kommenden Montag endet.

Was wir erlebt haben, geschieht in den Räumen der Gemeinde an der Grimmestraße an jedem Abend des Ramadan: da kommen hunderte Menschen, die seit Sonnenaufgang gefastet haben, hören eine Sure aus dem Koran, essen gemeinsam und beten anschließend im Gebetsraum. Es ist selbstverständlich, dass jede und jeder willkommen ist – Muslime, die gerade in der Nähe sind, wenn die Sonne untergeht, oder Fremde, die neugierig und hungrig sind. Die Frauen der türkisch-islamischen Gemeinde kochen jeden Tag selber, bezahlt wird das Essen reihum von den Mitgliedern der Gemeinde je nach ihren finanziellen Möglichkeiten.

Ich bin jedes Jahr wieder von dieser Gastfreundschaft beeindruckt und habe in meinem Gruß an die Gastgebenden einen Vers aus der Bibel zitiert, der dazu sehr gut passt: Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (Hebräerbrief Kapitel 13, Vers 2)

Der Bibelvers richtet sich an uns Christen, aber beim Fastenbrechen in der islamischen Gemeinde habe ich genau diese geforderte Gastfreundschaft gespürt. Ich war nicht auf der Seite derer, die gastfreundlich waren, sondern auf der Seite der Gäste. Wir haben uns willkommen gefühlt und angespornt, selber einzuladen und Gastgeber zu sein. Ob wir füreinander Engel sind, Boten von Gott, die uns an die Mitmenschlichkeit und Achtung erinnern, die wir einander zeigen sollen? Ich finde, das ist ein schöner Gedanke.

Am Abend des Fastenbrechens haben wir noch länger bei Tee und Süßigkeiten zusammen gesessen. Wir sprachen über das Zusammenleben in Menden, für das wir uns gemeinsam einsetzen.  Auch für meine Fragen nach der allzu engen Verbindung der DITIB-Gemeinden mit dem Türkischen Staat war Raum in diesem Gespräch. Ich habe den Wunsch der Muslime gehört, mehr in Deutschland ausgebildete Imame zu bekommen, die in Glaubensfragen auf Deutsch auskunftsfähig sind. In Münster ist ein solches Studium jetzt möglich. Wir werden die Begegnungen fortsetzen und so einüben, gastfrei zu sein.

Liebe Leserinnen und Leser! Den Christen unter Ihnen wünsche ich morgen einen gesegneten Sonntag und den Muslimen ein fröhliches Zuckerfest zum Ende des Ramadan in der kommenden Woche!

Ihre Dorothea Goudefroy
Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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