Evangelische Kirchengemeinde Menden


Wort zum Sonntag


Frank Fiedler, Pfarrer der
Evangelischen Kirchengemeinde Menden

Himmel und Hölle
Es gibt manchmal Begegnungen mit religiösen Menschen, die traurig und nachdenklich stimmen. Vor einiger Zeit wusste mir ein Moslem zu sagen, dass eines gewiss sei: Die Atheisten kommen nicht in den Himmel, und auch die nicht, die aus dem Menschen Jesus einen Gott machen, - die kommen in die Hölle. Tags darauf hörte ich jemanden aus einer freien christlichen Gemeinde (nicht aus Menden) predigen: Nur die kämen zu Gott, die sich jetzt ernsthaft Gott in Jesus Christus öffneten, - wer aber heuchelt und die in Jesus ausgestreckte Hand Gottes nicht ergreift, der kommt nicht in den Himmel, sondern in die Hölle.
Wenn es nicht so ernst wäre, - die Vorstellung hat auch eine gewisse Komik, dass diese Beiden genau voneinander wissen, dass der jeweils andere auf jeden Fall in der Hölle landet!

Es gibt Menschen, die den Glauben an den dreieinigen Gott teilen, andere tun es nicht. Manchen ist der Glaube selbstverständlich, andere haben es schwer. Viele Menschen kommen ohne Religion aus, - aus vielerlei Gründen, - andere sind religiös - aus vielerlei Gründen. Sind gläubige Menschen näher an Gott dran als andere? Oder dürfen sie schlicht wissen, dass Christus „der Welt Sünde trägt“? Gilt das Wort von der Versöhnung „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung“ nicht allen Menschen? Vielleicht ist es der Christen einziges Vorrecht, das zu wissen, zu hören, glauben zu dürfen und also einigermaßen getrost und freudig leben und sterben zu können.

Das kommende Gericht ist etwas Notwendiges, Heilschaffendes, uns endlich Zurechtbringendes. Um was es dabei geht, hat „Dietrich Bonhoeffer“ in einem seiner Gefängnisbriefe (am 4. Advent 1943) so beschrieben: „Mir geht in den letzten Wochen immer wieder der Vers durch den Kopf: ‚Lasset fahr'n, o liebe Brüder, was euch quält, was euch fehlt, ich bring alles wieder.‘ Was heißt dies: ‚ich bring alles wieder‘? Es geht nichts verloren, in Christus ist alles auf­gehoben, aufbewahrt, allerdings in verwandelter Gestalt, durchsichtig, klar, befreit von der Qual des selbstsüchtigen Begehrens. Christus bringt dies alles wieder, und zwar so, wie es von Gott ursprünglich gemeint war, ohne Entstellung durch unsre Sünde. Die aus Epheser 1,10 stammende Lehre von der Wiederbringung aller Din­ge ... ist ein großartiger und überaus tröstlicher Gedanke. … Und niemand hat das so einfach und kindlich auszudrücken vermocht wie P. Gerhardt in dem Wort, das er dem Christuskind in den Mund legt: ‚ich bring alles wieder‘“.

Gericht, das kann doch niemals mehr heißen: die einen für die Ewigkeit verworfen, gar noch gequält, - die anderen als auserwählte Schar im 7. Himmel! Was die mittelalterlichen Meister in Fresken und Bildern gemalt haben, diese Schreckgespenster von „Giotto di Bondone“ und „Michelangelo“ und „Hieronymus Bosch“ und wie sie alle heißen: Nein zu diesem Schwelgen im Leiden der Menschen. Das ist doch nur Hochrechnung der irdischen Qualen auf Him­mel hoch Unendlichkeit. Diesen Gott kann man doch wirklich zu den Götzen rechnen. Jesus Christus wird nicht das tun, was unsere Rachehirne sich ausdenken. Es wird genug gelitten in der Welt.
Natürlich überkommt uns manchmal der Zorn, bei all dem Bösen und Unrecht, das geschieht, und bei aller Trägheit, mit der wir darauf reagieren. Aber das ist nicht Gottes Zorn, sondern der Enttäuschungszorn, die Wut also. Menschlich, allzumenschlich. Bei Gott aber wirkt seine Langmut, seine Geduld, sein umfassen­der Liebeswille. Und wer betet: „Dein Wille geschehe“, will zuletzt auch dies: die Versöhnung aller mit Gott und die Vernichtung alles Bösen, das die Menschen geknechtet und vernichtet hat.

Frank Fiedler,
Pfr. der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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