Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

"Halbzeit im Advent"

Man spürt die Energie, die Ruhelosigkeit. Ja, die Konzentration ist fast atemraubend.
Alle sind ganz bei der Sache, fokussiert auf nur das eine Ziel. Jede Minute zählt.
Die Spieler auf dem Feld geben alles. Sie sehen und hören nur ihre Mitspieler, suchen nur den Ball und wollen ihrer Spielrolle im Team gerecht werden.
Ebenso angespannt sind die Zuschauer – am Spielrand oder am Bildschirm. Nichts von drumherum wird wahrgenommen. Alle blicken nur auf das Spielgeschehen. Wie gebannt tauchen die Zuschauer in das Geschehen ein, und es ist, als ob sie selbst über das Grün flitzen und alles geben. Denn es geht bestimmt um etwas ganz wichtiges.


Vikarin Mareike Gintzel
Evangelische Kirchengemeinde Menden
Und dann ist Halbzeit. Endlich Pause.

Die Spieler verschwinden in der Kabine und besprechen ihre Strategie.
Vor dem Fernseher werden die Stühle umgeschoben und man schaut sich wieder an.
Nach dem fokussierten Beobachten und Mitfiebern des Spielgeschehen und dem wortkargen Brüllen („Nein!“, Tor“, „Aus!“) kommen nun wieder die Gespräche in Gang. Man nimmt sich wieder gegenseitig wahr. Und man spürt auch wieder, welche eigenen Bedürfnisse man in der ersten Halbzeit vielleicht verdrängt hat.

An diesem Wochenende haben wir den dritten Advent – Halbzeit bis Weihnachten. Es sind noch zwei Wochen bis zu den Festtagen.
Nachdem die Weihnachtszeit in der ersten Halbzeit schon Fahrt aufgenommen hat, die Adventskalender gebastelt und geöffnet wurden, die ersten Weihnachtsmärkte besucht wurden und schon Geschenkideen gestrickt und besorgt wurden, liegt die zweite Halbzeit vor uns.

Jetzt aber – am Samstag und morgen am dritten Adventssonntag - können wir innehalten. Es ist unsere Spielpause vom Alltag.
Wir können den Stuhl nochmal zurecht rutschen und ein bißchen länger gemütlich nach dem Essen zusammen sitzen. Es ist Zeit da zum Zuhören und zum Reden. Es ist auch genügend Zeit zum Trödeln und Träumen, denn jetzt geht es ja um nichts. Und man kann nochmal schauen: Was brauche ich grade? Was braucht mein Körper an Erholung und Ruhe oder an Stärkung?
Was braucht meine Seele grade - an Zuwendung oder an Einkehr – damit auch ich selbst bereit bin für Weihnachten?

Mit dem Wochenbeginn wird der Alltag wieder um sich greifen und wird uns herausfordern. Jede und jeder wird seine Rolle im Team von Familie oder Kolleg*innen wieder mit voller Konzentration übernehmen.
Aber heute – heute halte ich inne. Löse den fixierten Blick von den Aufgaben, die noch bewältigt werden wollen bis Weihnachten und lasse den Blick schweifen. Durchatmen.
Pause. Zeit für mich und für andere. Und für Gott. Wo und wie auch immer er mit begegnen will.

Vielleicht ist der dritte Advent ja auch ein guter Zeitpunkt, meine Spielstrategie nochmal zu überdenken. Denn noch ist es ungewiss, wie das Spiel ausgeht: Wird das Weihnachtsessen gelingen? Wird der Baum hübsch sein? Werden alle Lieben Menschen um mich sein können in den Weihnachtstagen?
Die Spannung in der zweiten Halbzeit wird wachsen bis zum Finale. Aber die Frage ist doch: Worum spielen wir? Was ist unser erhoffter Sieg?
Bei diesem wichtigen Spiel kann es doch nicht nur darum gehen, ob das Festessen gelingt oder die Geschenke den richtigen Marktwert haben. Fiebern wir nicht vielmehr dafür, dass wir die verändernde Kraft von Weihnachten spüren? Strengen wir uns nicht vielmehr mit unseren alltäglichen Bemühungen nur so ab, um an Weihnachten zu erleben, wie inmitten des kalten Dunkels das Licht geboren wird. Das Licht von Hoffnung, welches uns wärmt und uns zum Frieden anstiftet.

Liebe Mendener*innen,
ich wünsche Ihnen einen besinnlichen dritten Advent
und dass Gott ihr Trainer ist und Sie bei Ihrer Spielstrategie berät.
Geben Sie ihm die Zeit dafür. - Vielleicht schon in dieser dieser Halbzeitpause.

Ihre Mareike Gintzel
Vikarin der Evangelischen Kirchengemeinde Menden

 


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