Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

"Sie hat getan, was sie konnte . . ."

Mit dem morgigen Palmsonntag beginnt die Karwoche, die Woche vor Ostern mit großen Feiertagen wie Gründonnerstag, Karfreitag und die Ostertage. Der Sonntag vor Ostern hat seinen Namen von den Palmen, die die Menschen damals Jesus auf den Weg streuten. Er kam nicht ein als eine strahlende Gestalt, sondern reitend auf einem Esel zog er in Jerusalem ein. Die jubelnde Menge meinte, einen König vor sich zu haben. Jesus aber wusste: das ist der Beginn des eigentlichen Leidensweges, der Passion, eines Weges der zum Kreuz führt.


Hans D. Daubner
Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Menden
Vom Kreuz geht die Botschaft von Gottes heilsstiftendem Handeln aus. Auf das Kreuzesgeschehen gilt es sich einzulassen, im Glauben daran Anteil zu gewinnen. Wie das geschehen kann, macht eine Geschichte aus dem Markusevangelium klar. Sie steht unter der Überschrift: “Die Salbung in Bethanien“ und berichtet von einer Frau, die Jesu Haupt mit kostbarem Nardenöl salbte. Die Handlung löst bei den Umstehenden Überraschung, Zweifel und Fragen aus: „Warum diese Verschwendung“? Man hätte das Öl verkaufen können und das Geld den Armen geben. War doch der Wert der Salbe sehr hoch, ca. anderthalb Jahreseinkommen eines damaligen Arbeiters. Ein kleines Vermögen, mit dem man in der Tat vielen Armen hätte helfen können.  Auch könnte man fragen, was motivierte die Frau zu dieser Salbung. Wertschätzung, Zuneigung? Oder hatte sie den Tod Jesu vor Augen und will ihn darauf vorbereiten? Ein  Vermögen für die Salbung eines besitzlosen Wanderpredigers einzusetzen, das will schon gut überlegt sein.

„Sie hat getan, was sie konnte“.

Wichtig ist die Reaktion Jesu. Er lässt sich die Salbung gefallen. Sie hat ihm gut getan. Er hat sowohl das Öl der Frau als auch ihre Zuwendung genießen können. Gleichzeitig erkennt er die Sorge um die Armen an und gibt die Verantwortung an die Kritiker zurück: „Arme habt ihr alle Zeit bei euch . . .“. Jesus sieht die Hingabe der Frau. Sie hat nicht für sich gehandelt, sondern für ihn. Nicht Sorglosigkeit und Verschwendung um des eigenen Vorteils willen, sondern die Bezogenheit auf Jesus und die Vorahnung seines schweren Weges haben die Frau geleitet.  Mit dieser vorbehaltlosen Hinwendung zu Jesus  wird die Frau zum Vorbild für spätere Generationen von Christinnen und Christen, die sich bis heute an sie erinnern . . .

In diesem Sinne einen besinnlichen und angenehmen Palmsonntag,

Ihr Hans D. Daubner,
Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Menden

 


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