Evangelische Kirchengemeinde Menden


Wort zum Sonntag


Dorothea Goudefroy
Pfarrerin der Evangelischen
Kirchengemeinde Menden
Von Gottes bunter Gnade erzählen

Liebe Leserinnen und Leser!

Vor ein paar Jahren – also vor Corona – bin ich staunend durch die Straßen von Lissabon gelaufen. Beinahe jedes Haus ist dort mit Kacheln verziert, vom Boden bis zum Dach. Manchmal sind es einfarbige Kacheln, die in Mustern verlegt sind, aber meistens sind schon die Azulejos selbst gemustert: blau-weiß, gelb, grün. Der Fantasie sind da fast keine Grenzen gesetzt. Manche Muster sind sehr alt, sie stammen noch aus der Zeit der Mauren und schlagen eine sichtbare Brücke zu einer anderen Kultur.

Die Kacheln an den Hausfassaden haben mich beglückt, sie sind so bunt und vielfältig und machen aus jedem Haus ein Unikat. Und dann gibt es sogar welche, die richtige Gemälde darstellen: Szenen aus dem Alltag der Menschen vor langer Zeit, Erinnerungen an historische Ereignisse oder biblische Geschichten. Um solch ein Bild zu zeigen, braucht es viele Kacheln, die gut aufeinander abgestimmt sind und im Zusammenhang – wie bei einem Puzzle – das ganze Motiv ergeben.

In der Bibel heißt es, dass wir der Tempel Gottes sind, ein Haus also, in dem Gottes Geist wohnt. Ich hoffe, dass man uns das von außen ansieht. Farbenfroh und lebendig sollten wir sein und immer bereit, eine Geschichte über Gottes Gegenwart zu erzählen. Eben so ähnlich wie die steinernen Häuser in Lissabon es tun. Wenn ich mir unser Kirchen-Haus so vor Augen führe, fällt mir einiges auf!

Zum einen macht eine bunte Kachel noch keine schöne Hauswand. Und sie erzählt auch keine Geschichte. Dazu braucht es immer viele. Gemeinsam können wir Christen die Geschichte Gottes mit den Menschen in der Welt zeigen.

Zum anderen wären die Fliesen allein nichts. Sie brauchen dahinter eine stabil gemauerte Wand, an der sie befestigt sind. Die tragende Konstruktion aus Menschen, die verlässlich da sind, aus gelebtem Glauben und tätiger Nächstenliebe brauchen auch unsere Gemeinden. Da liegt nicht alles vor Augen.

Und zu guter Letzt brauchen Mauern und Kacheln ein festes Fundament. Paulus schreibt darüber: Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Korinther 3,11) Auf ihm ist der ganze Tempel Gottes aufgebaut aus lebendigen Steinen. Er kann ganz verschieden aussehen, je nach kultureller Tradition oder Bau-Epoche. Der Tempel Gottes aus lebendigen Steinen kann einfach oder ein unglaubliches Kunstwerk sein – er muss aber auf dem guten Fundament stehen.

Staunend bin ich damals durch Lissabon gelaufen. Mit großem Staunen nehme ich heute wahr, wie vielfältig die Christen auch hier in Menden wie lebendige Steine von Gottes bunter Gnade erzählen.

Ihre
Pfarrerin Dorothea Goudefroy


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