Evangelische Kirchengemeinde Menden


Andacht zum Buß- und Bettag


Sabine Hülsiepen,
Jugendreferentin der Ev. Kirchengemeinde Menden
18. November. In meinem Kalender steht unter Mittwoch auch „Buß- und Bettag“. Bußtag. Was für ein sperriger Begriff! Bußtag hört sich vor allem an nach einem hängenden Kopf, nach Be- und Verurteilung, nach Schuld und vor allem ganz viel Nichtgenügen. „Ich muss besser werden – in…!“ und dann folgt in Gedanken die Aufzählung all der Dinge und Themen, in denen ich ungenügend bin oder mich zumindest sehr ungenügend fühle. Das zieht ganz schön runter. Und ehrlich, haben wir in diesen Coronazeiten nicht stattdessen viel mehr positive Begriffe und Erlebnisse nötig?! Etwas, das uns guttut? Das Wärme bietet oder auch einen kleinen Lichtstrahl in unseren Alltag schickt? Ich stolpere über ein Zitat von Martin Luther. Er sieht in der Buße genau das: „Buße ist ein fröhliches Geschäft. Wer Buße tut, ist wie einer, der aus einem finsteren Loch in die Sonne springt.“ Ich stutze. Aus der Dunkelheit ins Licht. Ja, genau diese Chance bietet dieser Tag. Früher ein Feiertag, immer der letzte Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag. Seit dreißig Jahren ein ganz normaler Mittwoch. Doch heute kann ich dank der Erinnerung im Kalender vielleicht wenigstens für eine halbe Stunde die Gelegenheit nutzen, dem „fröhlichen Geschäft“ Buße wieder etwas Raum zu geben. Mich bei einer Tasse Kaffee ganz in Ruhe einmal selbst fragen, was das für mich bedeuten kann, aus dem Loch in die Sonne zu springen. Wie ich meinen Alltag überhaupt gestalte, wie ich mich als Partnerin, als Freundin, Schwester, Tochter, Kollegin verhalte, nach welchen Maßstäben ich Entscheidungen treffe, wie ich mit meinen Liebsten und Menschen um mich herum umgehe oder auch mit mir selbst. Oder an welchen Stellen ich gedanklich in einem Loch gelandet bin, mögliche Änderungen oder Hoffnungen längst unter „So ist das!“-Sätzen fest begraben habe. Ich will mir die Zeit nehmen, meinen eigenen Blick zu schärfen, für mein bisheriges Verhalten, für Werte und Einstellungen. Und dank dieser guten weil ehrlichen halben Stunde mit neuem Blick nach vorne schauen. Nein, nicht zur Selbstoptimierung. Sondern für ein besseres Miteinander, Fünfe auch mal gerade sein lassen, großzügiger und liebevoller mit meinen Menschen um mich her umzugehen. Den diesjährigen KonfirmandInnen haben wir zu den Konfirmationen im August Armbänder geschenkt, auf denen vier Buchstaben eingewebt sind: WWJD. Die stehen für vier englische Worte: What would Jesus do. Übersetzt, was würde Jesus tun. Manchmal kann diese Frage eine gute Hilfe sein, um bei Entscheidungen oder Fragen von Miteinander einen Maßstab zu haben – wie würde sich Jesus verhalten? Wie würde er in unserer Familie leben? Wie mit dem nervigen Kollegen umgehen? Und bei Entscheidungen - wie würde er entscheiden? Dieses Armband, täglich getragen, ist wie ein verlängerter Buß- und Bettag. Ist auch mein „fröhliches Geschäft“, vielleicht nicht immer gleich jubelnd in die Sonne zu springen, doch wenigstens viel mehr Helligkeit in meinem Alltag Raum zu geben. Ich wünsche Ihnen einen rundum guten Buß- und Bettag!

Sabine Hülsiepen,
Jugendreferentin der Ev. Kirchengemeinde Menden

 


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