Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Glaube reloaded


Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin aus Menden
„Woran glaubst du?“ Das ist in dieser Woche der Titel der Themenwoche in der ARD. Neben den vielen Dokumentationen und Filmen im Fernsehprogramm kann man einen „CRED-O-MAT“-Test im Internet machen, der dann Auskunft darüber gibt, woran man glaubt. Es werden dabei viele, genauer gesagt, 74 Fragen über Gott und die Welt gestellt, z.B. nach dem persönlichen Glauben an die Existenz einer höheren Macht, nach der Einstellung zu Moral und Traditionen. Nach besten Wissen und Gewissen habe ich diesen Test gemacht und bekam folgende Auswertung:
Gott ist in Deinem Leben der Held. Er gibt Dir Kraft, wenn es Dir schlecht geht, an ihn wendest Du Dich mit Deinen Fragen. Du glaubst daran, dass es im Leben vor allem darauf ankommt Verantwortung zu übernehmen – für Dich selbst, Deine Mitmenschen und die Umwelt. Du siehst Dein Leben in einem größeren Zusammenhang, fühlst Dich Teil eines größeren Ganzen. Dein Glaube ist die Liebe, die Kraft des Beisammenseins, der Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Was sagt mir das jetzt über meinen Glauben und meine Glaubensinhalte? Dass Gott in meinem Leben “mein Held“ ist, klingt schon ziemlich pathetisch, ich hätte Gott eher als „Lenker und Leiter“ meines Lebens beschrieben. Dass mein Glaube durch die „Kraft der Gemeinschaft“ geprägt wird, gefällt mir da schon besser und ja, ich übernehme auch gerne Verantwortung für andere, wusste ich aber vorher auch schon. Wie sähe Ihr Profil aus?  Woran glauben Sie und was hält Sie im Leben? Vielleicht sind es auch andere Dinge wie das Streben nach Harmonie und innerem Gleichgewicht oder das Beibehalten von Traditionen und klaren Moralvorstellungen? Wissenschaftler haben in einer Studie herausgefunden, dass drei Dinge sind, die eine Religion ausmachen: identitätsstiftende Erzählungen (wie z.B. in der Bibel), heilige Handlungen und das Gefühl in etwas aufzugehen, das größer ist als man selbst. Und all das ist im Kern sehr ähnlich wie das, was Gläubige in Kirchen, Moscheen oder Synagogen denken, fühlen und erfahren, auch wenn heute nicht mehr alle Menschen im Sinn einer der großen Weltreligionen glauben. Es gibt vielerlei Möglichkeiten seinem Glauben Ausdruck zu verleihen, indem man achtsam mit Tieren und der Natur umgeht oder sich für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt. Der Umgang mit den Mitmenschen und das Engagement für die kommenden Generationen sind ebenfalls Zeichen für ein Handeln im Einklang mit Gottes Schöpfung. Womöglich würden nicht alle das so formulieren, aber: „Jeder Mensch glaubt an etwas. Und: Glaube findet man in allen Lebensbereichen“ - so lautet die große Entdeckung der „Credomat“-Erfinder.
Ehrlich jetzt, das hätte ich vor dieser Studie auch schon geahnt! Ich verlasse mich da doch lieber ganz traditionell auf die Losung für den kommenden Sonntag: Euer Glaube stehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. (1. Korintherbrief 2,5)

Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin aus Menden

 


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