Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Eine Frage des Weiterkommens oder wie kann Glaube helfen

Liebe Leserinnen und Leser,
"Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben . . ." schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom. Damit benennt er zum einen etwas typisch Christliches und zum Zweiten etwas ausgesprochen Protestantisches.


Hans D. Daubner,
Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Menden
Es geht um die Kraft und Bedeutung des Glaubens oder anders gesagt, um die Rechtfertigung aus Glauben. Der Reformator Martin Luther (1483-1546), dessen wir im Jahr 2016/17 mehrfach gedenken werden, hat diese Problematik zu seiner Zeit als eine existenzielle Frage aufgegriffen: Was muss ich tun, um vor Gott bestehen zu können? Muss ich überhaupt etwas tun?

Das in einer Zeit der Angst, hervorgerufen durch Seuchen wie etwa die Pest und zahlreiche Kriege. Es ist eine Frage des Bestehens und des Weiterkommens, verbunden mit der Sehnsucht nach Erlösung, wie sie z.B. in den Bildern von Hieronymus Bosch zum Ausdruck kommt.  Die Reformatoren kommen zur Erkenntnis: Da hilft der Glaube weiter.

Heute sind die Bedrohungen andere, die Fragestellungen andere. Welche Rolle spielt da der Glaube? Dass auch heute Menschen von der Bedeutung des Glaubens wissen und mit der Kraft desselben rechnen, möge ein Beispiel aus der Literatur verdeutlichen. Vor gut fünf Jahren  verfasste Martin Walser seine Novelle „Mein Jenseits“. Darin geht es, inmitten der Problematik des Älterwerdens, nicht nur um eine Liebesgeschichte, sondern auch um die Frage nach dem, was bleibt.

Der Protagonist entwendet ein Reliqar und wird dabei ertappt. Warum tut er das? Könnte der Leser fragen. Um ein Plätzchen im Jenseits sicher zu haben? Um bestehen zu können im Altwerden? Oder geht es dabei um die einfache Frage: wie gehe ich um mit der mir anvertrauten Zeit? Also in jedem Fall eine Frage des Weiterkommens.  „Wir glauben mehr als wir wissen“ heißt es in der Novelle. Und weil es in ihr um Literatur geht, deren Aufgabe nicht zuletzt darin besteht, Menschen zu erfreuen, fügt M.Walser hinzu: „Aber dass der Glaube die Welt schöner macht als das Wissen, stimmt doch.“

Paulus schreibt vor fast zweitausend Jahren: „ Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott.“ Das heißt, auf Grund seines Glaubens ist Gott dem Menschen wohlgesinnt, nimmt ihn an, wie er ist; darf der Mensch sich angenommen wissen, auch dort wo andere ihn verlassen, wo er schuldig geworden ist vor anderen. Damit kann man auch aus heutiger Sicht leben und weiterkommen, vielleicht auch zuversichtlich nach vorne blicken in der Hoffnung, Antworten zu finden auf viele Fragen, die uns bedrücken, auf Ängste, die von uns Besitz ergreifen und Sorgen, die uns zu schaffen machen. Der Abschnitt aus dem Römerbrief schießt mit den Worten „Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“.       

In diesem Sinne grüßt Sie, liebe Leserin und Leser und wünscht einen besinnlichen Sonntag,
Ihr Hans D. Daubner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde  Menden


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