Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Klare Entscheidung

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg. 5,29)

Als der Reformator Martin Luther 1521 auf dem Reichstag zu Worms gefragt wurde, ob die ihm vorgelegten Schriften von ihm verfasst seien, da antwortete er mit ja. Als er weiterhin gefragt wurde, ob er bereit wäre, sie zu widerrufen, erbat er sich Bedenkzeit. Das war ungewohnt. Dennoch wurde ihm diese Zeit bis zum darauffolgenden Tag gewährt. Erneut gefragt, ob er nun bereit wäre zu widerrufen, sagt er nein, es sei denn, man könne das, was in den Schriften steht aufgrund der Bibel und des Gewissens widerlegen: "Und darum kann und will ich nichts widerrufen, weil gegen das Gewissen zu handeln weder sicher noch lauter ist. Gott helfe mir. Amen."


Hans D. Daubner,
Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Menden
"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen". Eine derart klare Entscheidung wie bei Martin Luther wird heute vermisst. Es findet eher ein Schwimmen zwischen den Fronten, ein Hin und Her statt, ein Mitlaufen, eine Anpassung an den Zeitgeist statt. Auch bei Kirchens. Der Reformator hingegen definiert die Instanzen, denen er sich verpflichtet fühlt, klar und deutlich: die Bibel und das Gewissen. Die Bibel, um Gott zu hören und ihm zu gehorchen. Das Gewissen als Begründung "der Freiheit eines Christenmenschen".

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen". Die Bibel beschreibt in der Apostelgeschichte eine ähnliche Situation: Petrus und die Apostel vor dem Hohen Rat in Jerusalem. Ihnen wird Redeverbot erteilt. Ihr Verkündigungsauftrag kommt dadurch aber nicht zum Erliegen. Mit der Berufung auf den Gehorsam Gott gegenüber wird er weitergeführt, trotz drohender Lebensgefahr. Das ist es, was uns von jenen ersten Christen und auch von den Reformatoren unterscheidet: das Einstehen für die Verkündigung, den Glauben. Petrus musste das mit seinem Leben bezahlen, bei M.Luther war es etwas anders: seine Überzeugungen, sein Werk wurden weiter geführt. Das 500jährige Reformationsjubiläum möchte das verdeutlichen und damit auf die bleibende Bedeutung der Reformation hinweisen. Klare Entscheidungen sind heute gefragt, mehr denn je, nicht zuletzt im Sinne von:

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen". Und, Gott sei Dank, es hat immer wieder Menschen gegeben, die es Petrus und M. Luther gleichmachten, wie zum Beispiel den Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er stellt sich ganz bewusst gegen den Zeitgeist, gegen das Regime, tritt für Gott ein, ist bereit, den Tod auf sich zu nehmen. In all dem erfährt er trotz allem eine große Geborgenheit, so dass, vielleicht auch wir mit ihm sagen können:" Von guten Mächten wunderbar geborgen/ erwarten wir getrost, was kommen mag/Gott ist mit uns am Abend und am Morgen/Und ganz gewiss an jedem neuen Tag".

In diesem Sinne wünscht Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, einen schönen und angenehmen Sonntag,

Ihr Hans D.Daubner
Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Menden


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