Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Ein Spruch für`s Leben

Haben Sie das beim Wandern auch schon mal erlebt, dass die Wegweiser, die zu Beginn der Tour so klar die Richtung und die Kilometer bis zum Ziel anzeigten auf einmal verschwunden waren? Mitten im Wald hat man plötzlich keine Orientierung mehr. Welcher Weg der richtige ist: rechts oder links, hoch oder runter? Wo ist Norden und wo, um Himmels Willen, steht dann wohl unser Auto? Fern ab von jeglicher Zivilisation, fragt man sich, ob man je ans Ziel kommen wird. Und wenn man dann den falschen Weg wählt, kostet das viel Zeit und Kraft. In solchen Momenten fällt er mir dann wieder ein, mein Spruch, der mir immer hilft, wenn nichts mehr hilft. Er tröstet mich in Zeiten der Verzweiflung und Ratlosigkeit, er ist meine Bestätigung, wenn es mir gut geht. Vielleicht haben Sie ja auch so einen "Lebensspruch"?


Ellen Gradtke
Meiner ist mein Konfirmationsspruch. Ich habe ihn mir damals selber ausgesucht und seitdem begleitet er mich durch´s Leben, durch dick und dünn: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird´s wohlmachen.“ (Psalm 37,5) Zu oft passieren Dinge, die mir wehtun, die mich leiden lassen an Leib und Seele. Da Leben kann manchmal ganz schön gemein sein. Seinen Lebensweg "dem Herrn befehlen", d.h. meinen Weg ganz in Gottes Hand zu legen, ist anstrengend. Vor allem dann, wenn die Wege des Herrn so unergründlich sind, dann finde ich es eine der größten Herausforderungen, bei jeder Entscheidung wirklich Gott zu vertrauen, still zu werden und zu waren. Als Menschen neigen wir dazu, uns anderen Menschen anzuvertrauen, nach deren Ratschlägen zu handeln oder dem Mainstream zu folgen. Wie groß ist dabei nicht oft die Unsicherheit, ob es der richtige Rat war, ob die Meinung wohlgemeint war und ob es wirklich klappt!? Das gilt für kleine und für große Wegkreuzungen im Leben: für Berufswahl und Familienleben für Beziehungen für Gesundheit und Krankheit. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, wo der Weg in eine Sackgasse zu führen schien, da hat sich plötzlich eine neue Tür aufgetan. Und dort, wo ich mich von Gott zutiefst verlassen gefühlt habe, da habe ich doch so etwas wie einen Fingerzeig des Himmels gespürt und erfahren: ich bin nicht allein. Gott lebt nicht unser Leben, diese Aufgabe überlässt er schon uns selbst. Und unsere Wege müssen wir bei allem Gottvertrauen auch selber gehen. Aber in dem „Er wird’s wohl machen“, darin steckt ja zum einen die Hoffnung, dass es letztlich gut werden wird und zum anderen, die Vorstellung, dass Gott tatsächlich unsere Wege mitgeht, auch wenn wir das nicht immer merken. Seine Nähe bewahrt mich nicht vor Fehlentscheidungen. Aber ein Lebensweg mit Gott schenkt mir Geborgenheit und eröffnet manchmal auch neue Möglichkeiten, die ich vorher gar nicht bedacht hatte.

Den Weg aus dem Wald heraus haben wir übrigens nach einiger Zeit des „Im-Kreis-Gehens“  gefunden. Eher ganz plötzlich und unerwartet sahen wir von hoch oben unser Auto unten auf dem Parkplatz und mussten nur noch etwas bergab wandern.

Ellen Gradtke,
Berufsschulpfarrerin aus Menden


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